Auf dem Programm standen die großen Klassiker des linken Ufers. Lafite-Rothschild, Mouton-Rothschild, Latour und einer meiner grossen Lieblinge Château Palmer. Obwohl ich Bordeaux schon so oft bereist habe, staune ich doch immer wieder über diese Welt voller Glanz und Luxus. Es scheint alles nicht wirklich von dieser Welt zu sein. Der Kontrast zu den vielen Winzern, die sich überlegen, ob sie den alten Traktor selber nochmal reparieren sollen oder einen neuen kaufen, könnte größer nicht sein. Hier werden Betontanks von italienischen Designern entwickelt, die Weinberge mit neuster Technik aus der Luft beobachtet und analysiert, bei der Lese stehen 10 Mitarbeiter am Förderband  zur Sortierung der Trauben bereit, die Kellereien sind von Stararchitekten gebaut und sind mit Kunst bestückt, die dem Louvre Konkurrenz machen könnte usw.

Und die Weine? Es ist eben ein ganz anderer Ansatz und auch eine andere Herausforderung für den Weinmacher oder das Team des Châteaux als der im Vergleich kleinen Winzer aus dem Rhonetal, Rheinhessen oder der Mosel. Faszinierend finde ich tatsächlich beide Welten. Denn beide trachten nach dem besten Ergebnis. Haben das Ziel das beste aus dem Weinberg zu machen unter den Bedingungen, die Mutter Natur Ihnen stellt. Und so haben mich die Weine auf den Châteaux des linken Ufers natürlich wieder stark beeindruckt.

2018 vesprach den Winzern bis in den frühen Sommer hinein nicht viel Gutes. Der Mehltau war ein großes Problem wodurch die Erntemenge zum Teil, wie auf Chateau Palmer, stark reduziert wurde (in 2018 wird kein Alter Ego abgefüllt!). Einige Eigentümer, wie auch die Rothschilds, haben sich seit Beginn ihrer Aufzeichnungen nicht an einen solch extremen Mehltaubefall, erinnern können. Dies galt übrigens auch für das rechte Ufer in Saint-Emilion und Pomerol. Der viele Niederschlag im Frühjahr mit anschliessenden steigenden Temperaturen hat dem Pilzbefall den optimalen Nährboden geschaffen.

Ausgerechnet am 15. Juli 2018, als Frankreich die “Coupe du Monde du Football” gewann, spielte dann auch noch der Hagel, den Châteaux in Sauternes übel mit. Der erhoffte Sommer kam im Médoc dann erst relativ spät am 16. Juli und läutete eine Hitzeperiode mit Spitzen bis zu 40°C ein. Die Wasserreserven im Boden waren durch den Niederschlag vorhanden und die Pflanzen konnten sich entsprechend gut und schnell weiterentwickeln. Für junge Rebstöcke auf eher durchschnittlichen Böden war die Hitze dann eher eine Belastung und hat nicht immer zum besten Resultat geführt. Alte Rebbestände aus großen Lagen allerdings haben dann später tolle Früchte hervorgebracht. Im September ist das Wetter dann auf Kuschelkurs mit den “propriétaires” der Châteaux gegangen und hat sie sowohl mit hohen Tagestemperaturen und frischen Nächten wie mit etwas Regen zur rechten Zeit verwöhnt. Alles in allem also “Ende gut, alles gut”. Insgesamt gesehen ist handelt es sich um einen qualitativ hervorragenden Jahrgang mit kleinen Erträgen.

Nun kommen wir zur spannenden Frage nach den Preisen. Quo vadis Bordeaux? Für mich spricht alles dafür, dass die Preise für den neuen Jahrgang weiterhin steigen werden. Von Angelus ist schon das Gerücht gestreut worden, dass der Wein nicht billiger verkauft wird als der 2017er. Bei aller Großzügigkeit in Bezug auf den Empfang von Gästen, ist Bescheidenheit bei der Preisgestaltung noch nie die Stärke der großen Châteaux gewesen. Wird bspw. Angelus 2018 für € 350,00 in der Subskription vom Endverbraucher zu kaufen sein? Gemeint ist damit: € 350,00 zzgl. MWSt. und 2 Jahre vorfinanziert, versteht sich. Irre! Was bedeutet das nun für Châteaux wie Lafite, Cheval Blanc oder Ausone? Ich wage es kaum zu schreiben…Aber wo bleibt bei diesen Preisen die Rechtfertigung für einen Verkauf in Subskription? Den erhofften Spekulationsgewinn streicht sich heutzutage vorab das Château ein. Die Spekulationsphantasie hält sich aufgrund der hohen Ausgabekurse in Grenzen. Kurzum die Preise sind sehr hoch angesetzt. Der 2011er Angelus wurde von der place de Bordeaux damals noch mit € 138,00 zzgl. MWSt. ab Château angeboten. Der Endverbraucher hat dann in Subskription (also ca. 2 Jahre vor Auslieferung) ca. € 180,00 inkl. MWSt. gezahlt. Heute zahlt man ca. € 300,00 für eine Flasche 2011er. Das entspricht einer vernünftigen Rendite, auch wenn für den Wein zu diesem Preis erst einmal ein Käufer gefunden werden muss. Was passiert nun bei einem doppelt so hohen Ausgabekurs für einen Wein der nicht nur noch nicht trinkreif ist, sondern auch noch gar nicht geliefert wurde?

Vor diesem Hintergrund empfehle ich – und das meine ich so wie ich es schreibe: lassen Sie sich von einem Weinprofi ehrlich beraten und kaufen Sie nur das wofür Ihr Herz schlägt.